ABRAXAS Medienwerkstatt e.V.

Verein für Medien, Kultur und interkulturelle Arbeit

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Internationalismus

Januar 18th, 2010 · Keine Kommentare

DIE LANGE HOFFNUNG

Mit Clara Thalmann und Augustin Souchy in Spanien
BRD 1984, 90 Min.
Medienwerkstatt Freiburg

Der Film beginnt, wo andere über die Geschichte des spanischen Bürgerkrieges enden: an der Grenze.
Die Filmemacher begleiteten sechs Wochen lang Clara Thalmann und Augustin Souchy in die Gegend Kataloniens, wo beide zwischen 1936 und 1939 aktiv an den Kämpfen gegen Franco und an der Kollektivierung der anarchistischen CNT, “der einzigen sozialen Revolution von unten” teilgenommen haben. Bauern, Tagelöhner, Handwerker und Arbeiter kollektivierten Landbesitz und Produktionsmittel.
Es war keine blutige Staatsaktion, sondern eine Revolution, ausgelöst von Anarchosyndikalisten und ihrer Gewerkschaft CNT, die 1936 mit einer Million Mitglieder die bedeutende gesellschaftliche Kraft darstellte.
Clara und Augustin treffen sich zu dieser Reise zum ersten Mal seit 1937 wieder. Dazwischen liegen für beide Gefängnis, Exil, Kampf und Niederlagen, Alter und Krankheit.
Und doch verkörpern beide ein Stück Kontinuität, lebendige Geschichte der anarchistischen Bewegung, die nichts gemein hat mit der Kurzlebigkeit vieler politischer Bewegungen heute.
So ist die Geschichte des Films im doppelten Sinne Geschichte: zwei alte KämpferInnen suchen die Stationen ihrer Vergangenheit, versuchen Wirklichkeit zu rekonstruieren und erleben Spanien, in dem diese Geschichte unterschlagen wird. In der offiziellen Geschichtsschreibung sowie bei den meisten Beteiligten wurde sie durch 40 Jahre Franco-Terror zum Schweigen gebracht.
Eine Reise hat ihre eigene Dynamik: Zufällige Begegnungen entstehen, längst Verschüttetes wird hochgespült, und feste Einschätzungen werden mit einer anderen Realität konfrontiert. Die einen erzählen begeistert von damals, von der Kollektivierung, und ein paar Frauen erinnern sich nur an die Arbeit. Oder Augustin und Clara geraten ins Streiten, wie es nun war, und ob die Gewalt “nur” Verteidigung der Revolution oder ob die Revolution eben doch gewaltvoll war.
“Die lange Hoffnung” ist auch ein Beitrag zur Rehabilitierung des verfemten Begriffs “Anarchismus” (in Spanien “schlimmer als der Kommunismus”,) dessen ehemalige AnhängerInnen und KämpferInnen – sofern sie überlebt haben – langsam alle wegsterben. Ihre Erfahrungen und Lebendigkeit sind hier festgehalten.
Am 1. Januar 1984 starb Augustin Souchy mit 91 Jahren in München, zwei Jahre darauf starb Clara Thalmann in Nizza. So ist der Videofilm, unfreiwillig, auch zum Nachruf geworden.

EXILIO
Flüchtlingslager in Colomoncaqua. Eine Aussenansicht.
BRD/Honduras 1984, 60 Min.
Medienwerkstatt Freiburg

“EXILIO ist ein Videoband über Honduras, vor allem über das Lager Colomoncaqua, in dem 1984 8.000 Flüchtlinge aus El Salvador lebten. Der Film wurde in vierzehn Tagen im Mai 1984 gedreht. Es ist eine “Aussenansicht”, so der Untertitel. Die Filmemacher sind und bleiben Fremde, sie zeigen, was sie sehen und erkennen können, und reflektieren die Grenzen eines solchen Reisedokumentarismus.
Ein Beispiel: Die Flüchtlinge, das Lager steht an der Grenze zu El Salvador, sollen ins Innere von Honduras verlegt werden. Sie wollen aber den Kontakt zu ihrem Heimatland nicht verlieren, sie wehren sich. Also demonstrieren sie dagegen, 3000 Personen, “für eine Videokamera und ein Mikrofon”. Ich kenne keinen anderen Dritte-Welt Film, der das, was meist geschieht, wenn Dokumentaristen aus Europa oder den USA anreisen, so deutlich sagt: Ereignisse werden für die Filmemacher arrangiert. Diese Inszenierung aber nimmt der Demonstration nichts von ihrem Gewicht, ihrer Authentizität, im Gegenteil. Dass niemand diese Entrechteten und Verlassenen sehen und hören will, die hilflos den Plänen der Regierung von Honduras und dem amerikanischen Druck ausgeliefert sind, dass – jedenfalls für eine kurzen Augenblick – zwei Videomacher aus Europa zu ihrer einzigen Hoffnung werden, enthüllt erst so richtig die Tiefe ihrer Verzweiflung.
Die Hoffnung, die sie auf die Menschen in Deutschland setzen, sie sprechen immer wieder davon, bewegt und irritiert den Zuschauer hierzulande. Was kann er tun? Was leistet ein solcher Film?
EXILIO, ein Videoband, das eine Fülle von Beobachtungen und Informationen enthält, genau gesehen, sorgfältig formuliert, eignet sich für Dritte-Welt-Gruppen, aber auch für alle, die an der Entwicklung des Dokumentarfilms interessiert sind.” (Wilhelm Roth, epd film)

FRIEDENSENGEL
Für UNO, NATO und Deutschland in die Welt
Katrin Brüggemann, Peter Kleinert
BRD 1995, 30 Min.
QUERBLICK Medien- und Verlagswerkstatt Konstanz

Ein Portrait der Saarlandbrigade

MEINE WELT IST JETZT OFFENER
Ein Film über die interkulturelle Solidaritätswerkstatt mit Indien und Deutschland
BRD 1997/1998, 28 Min.
Missionszentrale der Franziskaner/Bonn, Franziskanisches Bildungswerk, ABRAXAS Medienwerkstatt e.V. Marburg

Dieser Film zeigt in Ausschnitten die interkulturelle Solidaritätswerkstatt aus Indien und Deutschland in den Jahren 1997 und 1998.
Das interkulturelle Austauschprogramm ermöglicht den TeilnehmerInnen durch praktisches und emotionales Lernen, den Begriff der “Einen Welt” konkret zu erleben. Aus der Konfrontation unterschiedlicher Lebensverhältnisse und Überzeugungen entwickelt sich ein Lernprozess, der es ermöglicht, Selbstverständliches neu zu denken.
Diese Kultur des voneinander Lernens ist notwendig, wenn wir in Zukunft in dieser einen Welt friedlich und auf der Basis gerechten Handelns überleben wollen.

Tags: Videoarchiv