ABRAXAS Medienwerkstatt e.V.

Verein für Medien, Kultur und interkulturelle Arbeit

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Gesundheit

Januar 18th, 2010 · Keine Kommentare

DIE BANKROTTERKLÄRUNG
Mütter in der Szene
BRD 1982, 55 Min.
Medienwerkstatt Freiburg

Dieser Film erzählt von einer Frau, die sich jahrelang als ein Mitglied der Szene begriffen hat, die in politischen Gruppen gearbeitet hat, im Häuserkampf aktiv war und bei der Gründung der ersten “linken” Kneipe Freiburgs als Kollektivbetrieb beteiligt war.
Diese Frau entscheidet sich eines Tages, ein Kind zu bekommen. Sie hat eine Beziehung und eine Gruppe. Was soll schiefgehen?
Es läuft eine Menge schief. Dabei geht es weniger um die Risiken, die einkalkulierbar sind und auch einkalkuliert werden, da keine Frau mehr auf eine private, dauerhafte heile Welt setzt, wenn sie sich für ein Kind entscheidet. Es ist also weniger die Beziehung, die kaputtgeht und die Wohngruppe, die sich auflöst. Es geht um die Szene, um den Rahmen, um die erlebte Unfähigkeit, Mütter und Kinder zur Kenntnis zu nehmen, zu akzeptieren, geschweige denn, sie in den eigenen Reihen zu integrieren. Die Tabuisierung als “Bankrotterklärung” eines kümmerlichen Haufens, der sich Szene nennt.
Und doch ist dieser Film keine Abrechnung, um der Szene den Rücken zu kehren. Die Frauen wollen etwas. Sie fordern ein, was einmal an Ideen und Phantasien die Bewegung ausgemacht hat. Sie wollen Inhalte. Das Kinderhaben und der Kinderwunsch sollen zu einem Thema in der Szene gemacht werden. Sie wollen keine Reduzierung der Szene auf einen Vergnügungspark, dem jemand 2-3 Jahre angehört, um sich auszutoben und dann wieder in der Normalität zu verschwinden, etwa weil ein Kind nur in der Normalität (oder in der ländlichen Idylle) zu realisieren sei. Genau hier gerät die Thematik an einen Punkt, den man als die offene Wunde der Szene in der gegenwärtigen Situation bezeichnen könnte.

WIR SIND SCHON DA!

Ein Film über die Sans Papiers
BRD 1997, 63 Min.
Frauen/Lesben Film Collectif, Berlin

Frauen dieser Selbst-Organisation von MigrantInnen ohne Papiere in Frankreich erzählen über ihre Organisierung, ihre Geschichte und ihre Forderungen.
Wir sind schon da…
“Wir sind schon da, und wir bleiben da, und wir machen weiter” sagt Madjiguène Cissée, Sprecherin der Organisation illegalisierter MigrantInnen “Sans Papiers”, die für die Rechte der “Papierlosen”, der MigrantInnen ohne rechtlichen Aufenthaltsstatus, kämpft..
…und wir bleiben da…
Seit ihrem Entstehen im März 1996 kämpft die Organisation der Sans Papiers mit ihren mehr als 20 Kollektiven in ganz Frankreich für die Legalisierung der Illegalisierten. Erstes und entscheidendes Mittel der Gegenwehr der Sans Papiers ist die Weigerung, sich in die Illegalität, ins Verborgene drängen zu lassen. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, besetzten sie am 28. Juni 1996 die Kirche St. Bernard in Paris, die Anfang August `96 brutal geräumt wurde. Seitdem haben die Sans Papiers die öffentlichen Diskussionen über Immigration und staatlichen Rassismus in Frankreich entscheidend beeinflussen können.
…und wir machen weiter!
In diesem Video erzählen fünf Frauen der Sans Papiers von der Entstehungsgeschichte und den Hintergründen, von der Organisierung der Frauen innerhalb der Sans Papiers und ihren wichtigsten Forderungen, z.B. dem eigenständigen Aufenthaltsrecht für Frauen; und sie berichten von konkreten Forderungen und politischen Positionen der Sans Papiers überhaupt, sowie von Organisations- und Aktionsformen und über die Veränderungen, die ihre Organisierung und der Kampf für ihr Leben mit sich gebracht haben. Dabei wird deutlich, das die Sans Papiers sich offensiv dagegen wehren, da ihnen die Schuld für die sozialen und ökonomischen Probleme zugeschrieben wird. Sie stellen ihre Situation der Rechtlosigkeit und Marginalisierung in den Ländern des Nordens ausdrücklich in einen Zusammenhang mit der Geschichte der Kolonisierung und Sklaverei sowie mit dem heute herrschenden Nord-Süd-Verhältnis. Jeanne Tchaleaux vom Kollektiv der Sans Papiers in Colombres formuliert es so: “Die ganze Zeit wird über die Immigranten gesprochen: die Immigranten, die Immigranten… Sie müssen sich auch die Frage stellen, warum kommen die Immigranten in unsere Länder? Warum?”. Und Madjiguène Cissée ergänzt: “Unsere Forderungen gehen weit über die Regulierungen unserer Papiere hinaus. Es ist sicher, das unser Kampf, den wir – als Volk aus dem Süden, das hier in Europa lebt – führen, die Frage nach der Nord-Süd-Beziehung stellt. Das ist die Frage, die sich heute stellt!”

Tags: Videoarchiv