ABRAXAS Medienwerkstatt e.V.

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Förderung von Medienkompetenz durch die LfM – Landesanstalt für Medien NRW

Januar 17th, 2010 · Keine Kommentare

Interview mit der Vorsitzenden der Medienkommission, Frau Frauke Gerlach Interviewer: Dr. Peter Widlok

Frauke Gerlach ist seit Dezember 2005 Vorsitzende der Medienkommission der LfM. Die Juristin sitzt damit einem insgesamt 25-köpfigen Gremium vor, das aus Vertretern verschiedenster Organisationen und Gruppierungen besteht. Die Mitglieder arbeiten in der Kommission ehrenamtlich; sie kommen aus den Kirchen, aus Verbänden, der Politik, freien Berufen usw. Die Medienkommission ist das Aufsichtsgremium der LfM und entscheidet zum Beispiel über die Zulassung neuer Veranstalter. Gerlach ist Justiziarin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag NRW.

“Was heißt für Sie eigentlich Medienkompetenz?”

“Medienkompetenz bedeutet für mich das Aneignen und Beherrschen von Kulturtechniken, und zwar mit dem Ziel, kommunizieren zu können, sich verständlich machen zu können. Man braucht Medienkompetenz, damit Sender und Empfänger sich verstehen.
Im digitalen Zeitalter reicht jedoch die Kompetenz zu senden und zu empfangen allein nicht aus, sondern man benötigt darüber hinaus auch Kenntnisse, sich im medialen Überfluss zurecht zu finden. Ich muss in der Lage sein, eigene Kriterien zu entwickeln, ich muss für mich wissen, was gut und was schlecht ist. Dass geht dahin, dass ich – wenn ich z. B. einen Film anschaue – erkennen muss, warum der Film welche Gefühle und Empfindungen in mir auslöst. Bei PC-Spielen, also bei Medien, die auf unseren Instinkt setzen, sollte ich wissen, wie die Dramaturgien aussehen. Womit arbeiten Medien, welche Mittel setzen sie ein? Das sind Fragen, zu denen Medienkompetenz schlüssige Antworten liefert. Natürlich gilt das auch für andere Medien, zum Beispiel für das Radio. Man kann hören lernen.”

“Warum sollte sich eine Institution wie die LfM
um die Förderung von Medienkompetenz kümmern?”

“Die LfM ist eine Einrichtung, in der das Wissen über die Medien (Internet, TV, Radio) zusammenläuft, sie hat alle Entwicklungen im Blick – und zwar sehr aktuell. Die Landesanstalt für Medien hat damit auch das Potenzial, die richtigen Fragen zu stellen, etwa bei Forschungsaufträgen, die sie an Universitäten vergibt. Sie kann, weil sie keine finanziellen Interessen hat, sehr unabhängig Konzepte entwickeln oder Vorschläge für die Politik erarbeiten. Ich glaube, dass die LfM eine Brückenfunktion zwischen aktuellen Medienentwicklungen und dem Nutzer sowie der Politik einnimmt.”

“Die LfM ist nicht die einzige Institution, die sich um die Förderung von
Medienkompetenz kümmert. Was unterscheidet die LfM von anderen
Organisationen mit vergleichbaren Aufgaben?”

“Die LfM hat dadurch, dass ihre Aufgaben weit über die Förderung von Medienkompetenz hinausgehen, ein ungeheuer breites Spektrum. Sie lizenziert neue Veranstalter, sie übt Aufsichtsfunktionen aus und sie hat einen sehr großen Praxisbezug zu dem, was in den elektronischen Medien passiert. Die LfM ist hierdurch eine Art “Vordenker-Instanz”, eine Art Sensor für künftige mediale Entwicklungen.”

“Wie kann die Medienkommission dazu beitragen, Medienkompetenz
in die Gesellschaft hinein zu tragen?”

“Die Medienkommission ist durch ihre Zusammensetzung wie ein Spiegel der Mediennutzung in der Gesellschaft. In unserem Gremium sind die verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen vertreten. Hierdurch können die Mitglieder der Medienkommission sehr lebensnah Probleme aufzeigen und damit die Richtung der Arbeit der LfM beeinflussen.”

“Wie kann das praktisch geschehen?”

“Die Kommissionsmitglieder stellen Fragen, die sich aus ihren konkreten Arbeitsbereichen heraus ergeben, auf die die LfM dann Antworten sucht und findet. Vor zwei Jahren etwa hat die LfM zusammen mit der Verbraucherzentrale NRW einen Leitfaden zu DVB-T (terrestrisches digitales Fernsehen) publiziert. Auch zu anderen wichtigen Themen liefert die LfM Informationen, z. B. zu Sicherheitsaspekten im Internet oder zu Aspekten wie der Schleichwerbung im Fernsehen. Im Idealfall werden die Mitglieder der Kommission durch die Gremienarbeit für Problembereiche sensibilisiert und tragen wieder bestimmte Fragestellungen in ihre Organisationen hinein. Daraus ergibt sich eine wundervolle Interaktion, die verhindert, dass sich die Arbeit der LfM im luftleeren, weil praxisfremden Raum abspielt.”

“Die bisherigen Schwerpunkte der LfM liegen im Bereich der Förderung
von Kindern und Jugendlichen. Reicht das aus?”

“Nein, das kann nicht alles sein und ist auch nicht alles. Bei Kindern und Jugendlichen steht im Vordergrund die Frage, was ihnen gut tut – medial gesehen. Bei Erwachsenen steht meines Erachtens zumeist die Technikkompetenz im Vordergrund; sie wollen wissen, wie bestimmte Dinge funktionieren Die LfM muss schauen, dass sie alle mitnimmt bei der Förderung von Medienkompetenz. Sie darf – bildlich gesprochen – nicht in der Grundschule halt machen. Aber durch die vielen Projekte hat die Landesanstalt für Medien gezeigt, dass sie die verschiedenen Aspekte im Blick hat.”

Tags: Medienkompetenz

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